„Flieg und entfalte Dich“
- Abschlussfeier für 20 Absolventen der Fachschule für Sozialwirtschaft des St. Vincenzstiftes Aulhausen
- Heilerziehungspfleger als künftige Begleiter von Menschen mit Behinderung
Aulhausen, den 2. Juli 2010.- Ein Kommunikationsbuch, das Menschen mit Behinderung hilft, sich an einem unbekannten Ort zurecht zu finden, im Restaurant zu bestellen oder einkaufen zu gehen. Anregungen, wie Kinder mit Behinderung die Welt mit allen Sinnen neu entdecken können. Ein Bustraining, das Menschen mit Behinderung Sicherheit gibt, wenn sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen wollen. Akzente setzen im Alltagsgeschehen beim Umgang mit demenzkranken geistig behinderten alten Menschen. Diese und andere Projekte krönten den Abschluss der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, die 20 Studierende in den vergangenen drei Jahren absolviert haben. Dabei bot ihnen die Fachschule für Sozialwirtschaft des St. Vincenzstiftes Aulhausen die Möglichkeit, sowohl die theoretischen Grundlagen für die Begleitung von Menschen mit Behinderung zu erarbeiten, als auch in der Betreuung praktische Erfahrungen zu sammeln.
„Flieg und entfalte Dich“ – unter dieses Motto stellten denn auch die Absolventen ihre Abschlussfeier. Sie verstehen sich als künftige Begleiter von Menschen mit Behinderung, wollen sie dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zu nutzen. Oberstudiendirektorin Andrea Stegmann, Vertreterin des Staatlichen Schulamtes und Leiterin der Beruflichen Schulen in Geisenheim, die eine enge Kooperation mit dem St. Vincenzstift pflegt, äußerte ihre Bewunderung darüber, wie intensiv die Studierenden in ihren Projekten auf die besondere Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner des St. Vincenzstifts eingegangen seien. „Sie tragen auch künftig Verantwortung über den Dienst hinaus“, betonte Bischof em. Kamphaus in seiner Ansprache im Schulgottesdienst. „Sie übernehmen in unserer Gesellschaft Anwaltfunktion. Die Würde von Personen mit geistiger Behinderung muss unantastbar bleiben.“
Dr. Dr. Caspar Söling, Direktor des St. Vincenzstiftes, dem Träger der Fachschule, zeichnete vier Absolventen für ihren herausragenden Abschluss aus – zwei von ihnen erhielten Zeugnisse mit einer durchgängigen Note ‚Sehr gut’. Fünf Studierende erwarben zusätzlich zum Berufsabschluss die Allgemeine Hochschulreife. „Es ist für uns immer wieder beeindruckend, mit welcher Begeisterung Sie Ihre Ausbildung durchlaufen. Das ist ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben der fachlichen Kompetenz müssen Sie mit dem Herzen dabei sein.“ Zwölf Bewerberinnen und Bewerber, die sich um einen Arbeitsplatz im St. Vincenzstift beworben hatten, werden übernommen. Die übrigen haben in anderen Bereichen eine Stelle gefunden oder schließen ein Studium an.
In diesem Jahr hat die Fachschule für Sozialwirtschaft, Fachrichtung Heilerziehungspflege, ihren Studierenden erstmalig die Ausbildung zum Übungsleiter für Sport mit geistig behinderten Menschen ermöglicht. Damit können sie unter anderem integrative Angebote in allen Sportvereinen Deutschlands anbieten. Dieses Ausbildungs-Angebot will die Fachschule auch weiterhin machen.
Der Leiter der Fachschule, Dr. Christoph Beuers, wies darauf hin, dass der Grundstein für die intensive und umfangreiche Ausbildung zum Heilerziehungspfleger in zahlreichen Erfahrungen gelegt würde, die künftige Heilerziehungspfleger im Vorfeld sammeln. „Aufnahmevoraussetzung ist zunächst einmal die Ausbildung zum Sozialassistenten oder Berufserfahrung“, erläuterte der Schulleiter. „Aber junge Menschen können schon viel früher testen, ob dieses Berufsfeld für sie interessant sein könnte, etwa durch ihren Besuch der Einrichtung als Konfirmanden und Firmlinge, oder durch Berufspraktika während der Schulzeit.“
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, den Zivildienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr im St. Vincenzstift zu absolvieren. Die ZDL und FSJler werden in allen Bereichen des St. Vincenzstiftes eingesetzt, etwa auf den Wohngruppen, in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, in der Heimschule oder in der Aktivierenden Tagesbetreuung. Diese freiwillige Zeit im St. Vincenzstift ermöglicht den FSJlern und ZDLs, sich beruflich zu orientieren, Erfahrungen zu sammeln oder die Wartezeit bis zur Ausbildung zu überbrücken. Wer sich für eine solche Aufgabe im St. Vincenzstift interessiert, wendet sich bitte an die Personalleiterin, Frau Veronika Keller, v.keller@st-vincenzstift.de.
Erläuterungen zur Fachschule für Sozialwirtschaft: Die Fachschule für Sozialwirtschaft im St. Vincenzstift Aulhausen bildet mit ihren Vorläufern als Seminar für Heilpädagogik und Ergänzungsschule seit über 30 Jahren junge Menschen für die Assistenz, Begleitung oder Erziehung von Kindern und Erwachsenen aus, die mit einer Behinderung leben lernen müssen. Auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes stellt sie Menschen mit Behinderung in den Mittelpunkt ihres Interesses. Sie ist die zweitgrößte ihrer Art in Hessen. Ihre große Stärke ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Seit der Neuordnung, die sich in den vergangenen Jahren stufenweise vollzog, gilt sie als eine berufliche Schule, die nicht mehr nur für den Eigenbedarf des St. Vincenzstiftes, sondern auch für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifiziert. Die Ausbildung ist somit auf der gleichen Ebene angesiedelt wie die eines staatlich geprüften Betriebswirtes bzw. staatlich geprüften Technikers. Der stellvertretende Fachschulleiter Peter Heublein und Dozenten der Fachschule besuchen regelmäßig die Informationsabende der umliegenden Schulen, um Fragen zur Ausbildung zum Heilerziehungspfleger nach dem Realschulabschluss oder zum Erwerb der Fachhochschulreife zu beantworten, und die verschiedenen Zugangsmöglichkeiten zu diesem Beruf vorzustellen.
Mehr Infos unter: www.fshep.st-vincenzstift.de.
Die Absolventinnen und Absolventen der Fachschule für Sozialwirtschaft, Fachrichtung Heilerziehungspflege, mit ihren Dozentinnen und Dozenten.
