28.05.18 14:59 Alter: 21 days
Kategorie: Top News, St. Vincenzstift Pressemitteilungen
28.05.18

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“

- Sankt Vincenzstift schließt Kinderhaus Jonathan
- Kinder ziehen ins Kinderhaus nach Offenbach, Erwachsene in Wohnhäuser in Oberursel


Hofheim/Rüdesheim, den 25. Mai 2018.- Die Sankt Vincenzstift gGmbH wird Anfang Juli das Kinderhaus Jonathan in Hofheim schließen und einer anderen Nutzung zuführen. Das Haus war Ende 2011 offiziell eröffnet worden und bietet in zwei Wohngruppen Platz für insgesamt 18 Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Beeinträchtigung. Zum Stichtag 1. Juni 2018 leben dort aber nur noch sieben Menschen, die rund um die Uhr von Fachkräften begleitet werden – das Haus ist hoch defizitär.

 

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht", so Dr. Caspar Söling, Sprecher der Geschäftsführung des Sankt Vincenzstifts. „Die Belegungszahlen sind im vergangenen Jahr massiv zurückgegangen, mit der Folge, dass das Haus nicht mehr wirtschaftlich zu führen ist. Hierfür müsste das Haus mit 18 Bewohnern belegt sein. Alle unsere Bemühungen, wieder voll belegen zu können, sind gescheitert." Doch auch als soziale Einrichtung sei das Sankt Vincenzstift angehalten, wirtschaftlich zu arbeiten. „Um einem weiteren Anwachsen der bereits entstandenen Defizite vorzubeugen, werden wir in einem ersten Schritt Anfang Juli das Kinderhaus schließen und andere Wohnangebote machen." Die Angehörigen seien bereits über die Entscheidung informiert.

 

Fünf Bewohner können in das Kinderhaus Jonathan in Offenbach umziehen, zwei, die bereits das Erwachsenenalter erreicht haben, können in Wohnangebote für Erwachsene im Alfred-Delp-Haus, bzw. Haus Königsegg in Oberursel wechseln. Alle Wohnhäuser gehören zum Sankt Vincenzstift. Den Mitarbeitern werden andere Einsatzorte angeboten.

 

Der Geschäftsführer nannte die Gründe, die zum Rückgang der Belegungszahlen und nun der Schließung des Hauses geführt hätten. Das Haus sei ursprünglich für Kinder mit einer geistigen Beeinträchtigung errichtet worden, diese Anfragen gingen jedoch zurück. „Immer weniger Kinder mit einer klassischen geistigen Beeinträchtigung werden geboren. Die Pänataldiagnostik hinterlässt hier bittere Spuren. Gleichzeitig ermöglichen die ambulanten Hilfen für Familien mit einem geistig beeinträchtigten Kind immer mehr, dass diese Kinder möglichst lange in ihren Familien leben können."

 

Gleichzeitig verändern sich die immer noch vielen Aufnahmeanfragen. „Diese betreffen überwiegend Kinder oder Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten und/oder einer psychischen Beeinträchtigung." Fakt sei jedoch, dass das Kinderhaus Jonathan nicht für Kinder mit dieser Beeinträchtigung geeignet sei. „Es ist für zwei Gruppen à neun Kinder errichtet, in offener Bauweise, die das Gemeinschaftsleben in den Mittelpunkt stellt. Verhaltenssauffällige Kinder benötigen jedoch kleine Wohneinheiten für maximal sechs Kinder und mit vielen Rückzugsmöglichkeiten", erläutert der Sprecher der Geschäftsführung.

 

Das Kinderhaus Jonathan soll weiterhin ein Haus für Menschen mit Beeinträchtigungen sein. „Aktuell prüfen wir verschiedene Möglichkeiten, wie das Haus künftig genutzt werden kann. Eine davon ist, dass wir es in ein Wohnhaus für Erwachsene umwidmen."